Jahresausklang: Städtereise nach Dresden, 10. - 12. November 2017

  
Freitag, 10. November 2017

Um 05:44 fährt der Bus. Es ist dunkel, kalt und unfreundlich. Eine kurze Tramfahrt, eine kurze Zugfahrt und wird sind im Flughafen. Man trifft sich beim Check-in und steigt dann in den Flieger ein.

Denkste! Bei der Sicherheitskontrolle ist dann Karin hängengeblieben. Der Detektor hat Spuren von Sprengstoff bei ihr entdeckt. Jetzt wissen wir auch, warum Erich manchmal etwas zerknittert aussieht: Karin duscht und/oder parfümiert sich mit Nitroglyzerin! Es ist aber doch noch glimpflich abgelaufen und sie durfte auch mit.

Wir fliegen ja alle nur mit Handgepäck. Der Flieger ist voll, ebenso die Gepäckabteile. Da diese nicht ausreichen, um alle Handgepäcke zu verstauen, wird es interessant. Wo tun wir die Gepäcke hin? Das Personal versucht den letzten Kubikzentimeter freien Raums zu finden und zu nutzen. Leider wehren sich die Hartschalenköfferchen standhaft, flexibel zu sein und sich zusammenpressen zu lassen. Letztendlich sind wir dann doch noch abgeflogen. Und da wir mit Swiss flogen, hat es auch noch Kaffee und Gipfeli gegeben.

Dresden hat uns mit leichtem Regen empfangen. Nachdem wir im Taschengeldpalais unser Gepäck abgegeben hatten (hier hatte es genügend Platz; das ist wahrscheinlich so, weil ein Hotel nicht fliegt), hörte es mit dem Regen auf. Wir machten uns auf, die Stadt ein bisschen zu erkunden. Sehr grossen Anklang fand die Konditorei Reimann, die neben dem original Dresdner Stollen auch wunderbare Torten und Patisserie herstellt. Und auch der Kaffee im Café war gut.

Dann verplemperten wir die Zeit bis 13:00 Uhr mit einem Mittagessen im Italienerdörfchen, wo es eher kühl war und auch ein bisschen unangenehm nach Kanalisation roch, und begaben uns auf einen Dampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt Dresden, um eine Stadtrundfahrt per Schiff zu machen.

Wir fuhren ein Stück die Elbe hinauf, vorbei an wunderschönen Schlössern und Schlösschen, die am Hang auf der rechten Seite der Elbe stehen. Hier war – und ist wohl immer noch – grosses Geld. Und August der Starke. Der ist nämlich überall. Ohne August den Starken gibt es nichts, vor allem keine Vergangenheit. Es geht sogar noch weiter, ohne ihn hätte es wohl auch keine Zukunft gegeben. Ich gehe davon aus, dass August der Starke ein Sachse war. Auf jeden Fall scheinen mir die Sachsen ein sehr von sich überzeugtes Völkchen zu sein. Wenn August der Starke kein Sachse gewesen wäre, würde wohl kein Mensch mehr von ihm reden.

Nach der eindrücklichen Schifffahrt wurden wir zu einer Führung in der Semperoper erwartet. Wie alles andere in der Altstadt ist auch dieses Gebäude ein Neubau, das nach der vollständigen Zerstörung im 2. Weltkrieg wieder aufgebaut wurde. Was mich an der Innenarchitektur sehr beeindruckte, ist die enorme Menge an Gips, die hier verbaut wurde. Die Marmorsäulen sind aus Gips, die täuschend echten Marmor-Wandverkleidungen sind aus Gips, sogar die Holzverkleidungen sind aus Gips! Die Fenster, die Treppenstufen und die Stühle sind jedoch nicht aus Gips, was mich etwas wundert. Und die dargebotenen Ricola-Bonbons sind auch nicht aus Gips, weil: wer hat's erfunden? Die Schweizer! Wenn sie von August dem Starken (oder Semper) erfunden worden wären, dann wären sie wohl auch aus Gips.

Nach der Besichtigung konnten wir dann im Kempinsky Taschengeldpalais die Zimmer beziehen. Diese waren sehr schön und geräumig und wohl kaum für ein Taschengeld zu haben. Wir haben jedenfalls das schöne Ambiente (schweizerisch: die schöne Ambiance) des Hotels genossen. Das Nachtessen genossen wir im Restaurant Sophienkeller, wo es ebenfalls etwas kühl war. Tat aber der guten Stimmung keinen Abbruch, und das Essen war auch gut und reichlich. Nach einem Besuch in der hoteleigenen Karl May Bar gingen wir dann zur Ruhe. Es hat übrigens den ganzen restlichen Tag nicht geregnet!
  
Samstag, 11. November 2017

Der Tag fing gut an, mit einem opulenten Frühstücksbuffet. Natürlich hätte die Auswahl an Konfitüren (ca. 17 verschiedene) grösser sein können, aber man konnte damit leben. Aus naheliegenden Gründen musste ich leider auf den angebotenen Sekt verzichten, da wir ja noch ein kulturelles Erleben der Stadt geplant hatten.

Um zehn Uhr trafen wir uns beim Verkehrsmuseum. Es gab wundervolle Exponate aus der Welt der Strassenfahrzeuge, der Schienenfahrzeuge und der Schifffahrt zu sehen. Es war wirklich sehenswert.

Danach gingen wir in einem Schweizer Restaurant etwas trinken. Wenn man so das Personal in Dirndl und Lederhosen sah, kann man sich in etwa vorstellen, wie Bratwurst und Rösti hier geschmeckt hätten.

Um 13:00 war eine Führung in der Frauenkirche angesagt, Eingang C. Nicht alle haben den Eingang C gefunden, dies vor allem, weil sie bei der falschen Kirche suchten. Sie kamen dann aber doch noch. Auch diese Kirche wurde in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts wieder völlig neu aufgebaut. Und dies mit einer solchen Präzision und Detailtreue, dass es echt beeindruckend ist. Es sieht alles wie echt aus! In mir löst das etwas zwiespältige Gefühle aus. Einerseits ist es schön, die alten, zerstörten Gebäude wieder aufleben zu lassen, andrerseits sind das alles nur noch Kulissen, die eine vergangene Zeit darstellen.

Es ist eine unglaubliche Leistung, eine total zerstörte Stadt originalgetreu wieder aufzubauen, ich glaube, so etwas schaffen nur die Deutschen (und Sachsen). Es hat sich gelohnt. Wer käme denn schon nach Dresden, wenn die Stadt z.B. von Herzog und de Meuron wieder aufgebaut worden wäre? Eben.

Den Rest des Nachmittags nutzten wir, um eine Stadtrundfahrt mit dem Doppeldeckerbus zu machen. Diese war nun auch sehr interessant, vor allem, weil sie in andere Stadtteile von Dresden führte, die nicht von der totalen Zerstörung betroffen waren. Da wird einem auch klar, dass es wirklich notwendig war, das alte Zentrum wieder aufzubauen. Eine grosse Stadt wie Dresden braucht ein Zentrum, das funktioniert. Dies ist den Dresdnern gelungen.

Danach hatten wir uns eine kurze Pause im Taschengeldpalast verdient.

Zum Abendessen begaben wir uns in das Restaurant „Dresden 1911“ bei der Frauenkirche. Es ist schon bemerkenswert, dass Leute, die die Frauenkirche nicht finden, auf Anhieb ein Restaurant neben derselben finden! So hat jeder seine eigene Beziehung zu Kultur. Das Restaurant selbst ist mit Teilen von alten Trambahnen, z.B. Sitzbänken, eingerichtet, es steht sogar ein altes Tram aus dem Jahr 1911 im Restaurant. Alles in allem ein sehr schönes und originelles Lokal. Und das Essen war auch gut, wie üblich ziemlich deftig auf sächsische Art. Wir verbrachten dort jedenfalls einen sehr fröhlichen Abend.

Mit einem Besuch in der Karl May Bar liessen wir den Tag ausklingen und konnten uns dann von einer rechten Dosis Kultur erholen.
  
Sonntag, 12. November 2017

Für heute hatte uns Lothar etwas Besonderes eingefädelt. Wir fuhren mit einem Oldtimerbus (Mercedes, Jahrgang 1963, 126 PS, 4,3 Liter Diesel, 9 Tonnen, ca. 30 Plätze) zum Schloss Wackerbarth, Europas erstem Erlebnis-Weingut. Wenn ich schon nur das Wort „Erlebnis“ höre, wird mir zum Weinen zumute. Ist denn Weinen ein Erlebnis? Schwamm drüber. Es war dann schon ein Erlebnis. Wir sahen uns zuerst den Laden an. Sehr schön. Und dann gingen wir Essen, im Gut-eigenen Gasthaus. Wie üblich war das Essen sehr gut und sächsisch deftig. Nach dem Mittagessen habe ich mir geschworen, die ganze nächste Woche zu fasten (was ich übrigens nicht eingehalten habe). Es ist ja üblich, dass man auf unseren Motorradtouren gerne gut isst, aber zwischen den Mahlzeiten fahren wir ein bisschen Motorrad, das hilft beim Verdauen. Hier war es leider nicht so, die Verdauungsfährtli fehlten.

Um 13:00 gingen wir dann auf die geführte Sekt-Tour. Und wir haben viel Wissenswertes gehört, wie zum Beispiel, dass der Korken im Einkauf 3 EUR und die Flasche, die 7 bar Druck aushält, 4 EUR kostet. Dann wundert man sich, wie man einen Prosecco für CHF 6 kaufen kann. Dieser ist zwar gut trinkbar, hat aber mit Sekt rein gar nichts zu tun. Die Sektproduktion wurde uns auch erläutert und die dazugehörigen Maschinen und Apparate vorgeführt. Es ist ein kompliziertes Geschäft und natürlich genau dasselbe wie in Frankreich. Nur heisst das dort halt Champagner. Das Prinzip ist aber genau dasselbe. Wir haben dann auch verschiedene Sekte probiert, sie waren sicher erstklassig. Also die Deutschen können das sicher auch. Der Führer war absolut super, wir haben selten eine so humorvolle und gleichzeitig kompetente Führung genossen. Es war auch eine gute Portion unfreiwilliger Humor dabei, die deutsche Aussprache der französischen Ausdrücke war schon sehr erheiternd. Schon allein deswegen könnten die Deutschen niemals „Champagne“ herstellen, man stelle sich vor, wie das tönt: Schompon!

In unserem Oldtimerbus fuhren wir dann gemütlich zum Taschengeldpalais zurück und machten uns sofort auf den Weg zur Konditorei Reimann. Wir mussten uns ja noch mit Dresdner Stollen und anderen spezifischen Süssigkeiten eindecken.

Nachdem auch dieses erledigt war, machten einige noch einen Spaziergang in der Stadt und ein Teil von uns hat sich eine Führung durch den (ebenfalls wieder aufgebauten) Dresdener Zwinger gegönnt, der auch ein absolutes Highlight ist.

Und dann fing es an, leicht zu regnen. Aber jetzt war es egal, wir warteten im Kempinsky Taschengeldpalais auf den Bus, der uns zum Flugplatz bringen sollte. Der war pünktlich um 18:00 da und los ging's.

Das Self Check-in war noch ganz amüsant, besonders, wenn man Sitze nebeneinander wollte. Nach etlichen Anläufen schafften wir auch das und gingen zur Sicherheitskontrolle. Die Beamten dort nahmen es sehr genau, diesmal blieb Irène in der Sprengstoffkontrolle hängen. Aber auch sie hatte keinen dabei. Woher auch? Sie hätte allenfalls Sekt dabeihaben können, aber sooooo gefährlich ist dieser auch nicht.

Der Flieger war, wie üblich, bis auf den letzten Platz besetzt. Und das Theater mit dem Handgepäck auch das übliche. Als endlich alles verstaut war, starteten wir Richtung Heimat. Die Swiss spart wo es geht, gleich zu Beginn gab der Captain durch, man müsse auf die Zwischenverpflegung verzichten, da der Flug zu unruhig werde. Es rumpelte zwar ein bisschen, hörte aber bald auf, so dass es doch ein Wässerchen und ein staubtrockenes Käsebrötchen gab. Allerdings nicht für die im hinteren Teil des Fliegers, da es wieder anfing zu rumpeln. Ich begreife jetzt auch, warum man nur 8 kg Handgepäck mitnehmen darf. Wenn die Hostessen so schlank wären, wie das früher üblich war, dann wären wohl mindestens 10 kg gestattet.

Mit einer Stunde Verspätung wegen des schlechten Wetters landeten wir wohlbehalten in Zürich und machten uns auf die fröhliche Wanderung zum Ausgang. Ich liebe kleine, überschaubare Flugplätze wie Dresden!

Die S-Bahn nach Zürich war dann auch noch etwas Besonderes; mehr Leute mit Handgepäck gehen wohl nicht in einen Zug! Aber eben: Lieber schlecht gefahren als gut gegangen.
  
Und jetzt noch einige Anmerkungen:

Es war ein wunderschönes verlängertes Wochenende, Hanspeter hat einen sehr guten Job gemacht. Dafür danken wir ihm herzlich. Leider hat er und Rosy wegen eines Todesfalls in der Familie nicht mitkommen können. Wir sprechen den Beiden unser Beileid aus.

In Dresden hat sich unser Präsident sehr gut um uns gekümmert, assistiert von Lothar, der auch die Besichtigung des Weinguts Schloss Wackerbarth mit dem Oldtimerbus organisierte. Ohne die beiden wäre es uns nicht so gut gegangen. Wir waren aber auch eine pflegeleichte Gruppe.

Und noch etwas: Die schwarzen Biere, die in Dresden ausgeschenkt werden, haben meinen Geschmack perfekt getroffen. Göttliches Getränk! Da können sie von mir aus den Wein (ausser dem Sekt) in die Elbe giessen!

So, das war's. Ich bin ja nur mitgefahren, damit ein Bericht geschrieben wird........... und ich weiss auch, dass es Taschenbergpalais heisst. Aber Taschengeld gefiel mir besser.
  
Teilnehmer (grosses Bild):
Karin + Erich
Gerhard + Renate
Violetta + Paul
Johanna + Peter
Jolanda + Walti
Hansruedi + Dagmar
Evi + Martin
Sabine + Klaus
Irène + Ezio
Lothar, der Einheimische

und dann noch unsere Freunde aus Iserlohn:
Sigi + Ulla
Hans + Anke

Aus Datenschutzgründen habe ich nur die Vornamen erwähnt.
  
16. November 2017
Ezio / E210

  
  

Bilder vom Freitag 10. November: Ankunft im Hotel Taschenbergpalais Kempinski, Lunch im Italienischen Dörfchen, Schiffsrundfahrt, Führung Semperoper, Abendessen im Sophienkeller...

Bilder vom Samstag 11. November: Besuch Verkehrsmuseum, Führung Frauenkirche, Zwinger, Abendessen in der Museumsgastronomie Dresden 1900...

Sonntag, 12. November: Führung Schloss-Weingut Wackerbarth, Führung Zwinger.